Internet via Brieftaube

Internet via Brieftaube. Das gibt es wirklich!

Glaub ihr mir nicht? Naja, einsetzen wird es wohl kaum einer. Aber Tatsache ist, dass es dafür seit April 1990 einen Standard gibt. In der RFC 1149 „Internet Protocol over Avian Carriers“ (zu Deutsch: Internet Protokoll über gefiederte Zubringer) wird beschrieben wie das ganze stattfinden soll. Abgekürzt wird das ganze übrigens IPoAC und befindet sich im TCP/IP-Protokollstapel im Layer 2, also der Zugangsschicht.
In der RFC sind übrigens alle wichtigen Dokumente zum heutigen Internet (damals Arpanet) festgelegt.

Zu Testzwecken wurde in Norwegen mithilfe dieses experimentellen Standards neun IP-Pakete versandt. Vier von Ihnen kamen an, was einem Verlust von 55 % entspricht.

Funktionsweise:

  • IP-Paket wird auf einen Zettel in Hex-Darstellung ausgedruckt
  • Papier wird gerollt und mit einen Bindfaden an das Bein. Die maximale Transferrate (MTU) entspricht dabei der Größe des Beins des Übertragenden
  • Der Carrier wird losgeschickt
  • Der Carrier wird beim Empfänger in Empfang genommen
  • Die Daten werden abgenommen, eingescannt und ausgewertet

Vorteile:

  • 3D-Routing (Gleichzeitig beliebig viele Pakete)
  • Reichweite nicht durch Topologie beschränkt
  • Integrierter Wurm- und Angriffsschutz
  • Best Effort Übertragung

Nachteile:

  • Nur Punkt-zu-Punkt Verbindungen zwischen zwei vorher festgelegten Orten möglich

Erweiterungen:

Bei IP-Basierten Netzen ist QoS (Quality of Service) ein wichtiger Bestandteil. QoS wird dazu benötigt, bestimmten IP-Paketen Vorrang gegenüber anderen IP-Paketen zu geben. Dies ist besonders bei zeitkritischen Anwendungen (IP-Telefonie, IPTV) sehr wichtig.

Damit das in der IPoAC auch enthalten ist wurde zur RFC 1149 zusätzlich die RFC 2549 im Jahr 1999 geschrieben, die das Ganze erweitert. In diesem Dokument wird genau beschrieben, wie mithilfe von gleich großen Papierrollen und unterschiedlichen Flughöhen bestimmten Paketen Vorrang gewährt werden kann. Dazu gibt es auch noch solche schönen Grafiken:

   Weighted fair queueing (WFQ) MAY be implemented using scales, as
   shown:

                                                  __
                                  _____/-----\   / o\
                                 <____   _____\_/    >--
                 +-----+              \ /    /______/
                 | 10g |               /|:||/
                 +-----+              /____/|
                 | 10g |                    |
                 +-----+          ..        X
               ===============================
                              ^
                              |
                          =========

   Carriers in the queue too long may leave log entries, as shown on the
   scale.

   The following is a plot of traffic shaping, from coop-erative host
   sites.

        Alt |       Plot of Traffic Shaping showing carriers in flight
            |
         2k |           ....................
            |          .                    .
            |         .                      .
         1k |        .                        .
            |   +---+                          +---+
            |   | A |                          | B |
            |   +---+                          +---+
            |_____________________________________________

Einsatzzwecke:

Tatsächlich versenden Fotografen, die in sehr abgelegenen Gebieten wohnen in denen es nur eine sehr langsame Internet-Anbindung gibt, Brieftauben zum Versand von Datenträgern. Dies hat allerdings mit dem eigentlichen Internet Protokoll nichts zu tun.

Weiterführende Links:

 

Veröffentlicht von

Daniel Konrad

Mein Name ist Daniel Konrad (wie man ja unschwer erkennen kann). Manche nennen mich auch Kunner. Beruflich bin ich zurzeit Auszubildender bei der Deutschen Telekom AG. Dort erlerne ich den Beruf „Fachinformatiker für Systemintegration“. In meiner Freizeit habe ich auch viel mit Computern, Netzwerken und Technik zu tun, da mich das immer wieder begeistert und ich von Natur aus neugierig bin. Ebenfalls arbeite ich freiwillig am Fedora Project mit. Das ist eine Linux Distribution, auf dem Red Hat Enterprise Linux basiert. Dort erfülle ich die Funktion als Ambassador. Ich habe auch etliche Programmierkenntnisse. So gehören C++, C#, PHP, Javascript, Objective-C (iPhone, iPad), Visual Basic und viele weitere Hochsprachen zu meinen Kenntnissen. Ebenfalls bin ich beim Roten Kreuz ehrenamtlich beschäftigt und übernehme dort verschiedenste Aufgaben. Sportlich bin ich auch aktiv; so fahre ich z. B. Fahrrad und spiele sehr gerne Basketball. Ansonsten gibt es über mich nichts weiteres zu sagen. Sollten Sie Fragen haben, können Sie mich gerne kontaktieren.

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